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Über die Nachhaltigkeit einer Überzeugung: Der Indianer Dirk Möller und seine Entwicklung in Weimar

von Bjørn Waag

 

Dinge gibt es, von denen man sich gar nicht vorstellen kann, dass sie nicht immer schon da gewesen sind. So auch in Weimar. Goethes Gartenhaus, zum Beispiel. Das DNT. Der „Elephant“ am Markt. Die Weimarer Kommunalpolitik hat auch eine solche Urgestalt vorzuzeigen, eine eigene Marke versehen mit dem Prädikat „Besonders Nachhaltig“ – es ist Dirk Möller, der Fraktionsvorsitzende der Partei DIE LINKE im Stadtrat. Seit 1988 macht Möller in Weimar Politik, stetig, ununterbrochen. Während er die Stellung hielt, sah er die Konkurrenz und die Oberbürgermeister kommen und gehen. Mit Weimars Direktkandidaten für die Landtagswahl 2014 sprach die Wahlzentrale im Weimarer Residenz-Café.

WZ: Herr Möller, eine der ersten Anekdoten, die man als politischer Neuling in Weimar zu hören bekommt, je nach Blickwinkel positiv oder negativ beladen, berichtet, wie Sie 1989 als letzter die Parteizentrale der SED abschlossen und dann, statt in die Wälder zu flüchten, sich der schimpfenden Menge stellten. Ist das eine Legende?

Möller: Nein, es war im Grunde so. Tomaten sind dabei aber nicht zum Einsatz gekommen, wie viele behaupten. Es hatte damals schon länger Demos gegeben. Aber an diesem Tag, ein Warnstreik fand statt, machte die Menschenmenge zum ersten Mal auf den Vorhof der Parteizentrale Station. Es war Februar, bitter kalt, ein Kollege und ich beschlossen hinauszugehen und das Gespräch zu suchen. In der Eile hatten wir vergessen Jacken überzuziehen. Die Demonstranten schienen gar nicht bedrohlich. Der Schock kam von anderer Seite und völlig überraschend: Kaum waren wir aus der Tür getreten, hörten wir wie das Tor hinter uns von innen verschlossenen wurde. Man sperrte uns aus. Es war ein sehr prägendes Gefühl, jenes Geräusch, das ich da erleben durfte. Wenn man die Tätigkeit im Apparat der SED als Politik bezeichnen kann...

WZ: Kann man das?

Möller: Was da stattgefunden hat war keine Politik im Sinne des heutigen Verständnisses. Politik, aber auch Sozialismus geht nur mit Demokratie. Das war bis 1989 nicht möglich, etwas anderes behaupten zu wollen ist Unsinn.

WZ: Ihr Spitzenkandidat Bodo Ramelow stellt fest: „Die SED hat sich nicht als demokratische Partei verstanden“ – würden Sie dem zustimmen?

Möller: Ramelow hat Recht. Die Mechanismen waren zwar formal eingebaut, wurden aber nicht genutzt.

WZ: Machen wir einen Sprung ins Heute: Der Bildungspolitiker Dirk Möller bezog neulich viel Prügel von der Konkurrenz nach dem Bekenntnis zu einem Vorhaben, das für einen Skandinavier uralt und vollkommen selbstverständlich erscheint: das gemeinsame Lernen bis zur 8. Klasse. Ihr geschätzter Kollege Mike Mohring hält dagegen fest: „Die Stimmung in den Klassenzimmern ist schlimmer als unter Margot Honecker!“, alles tobt und behauptet, Sie würden das Gymnasium abschaffen wollen. Wie erklären Sie sich diese ganzen Erregungen?

Möller: Als Partei DIE LINKE vertreten wir den Grundsatz, die Bedürfnisse des Kindseins ins Zentrum zu stellen, nicht die der Wirtschaft oder der Bildungsbürokratie. Dazu ist das gemeinsame Lernen eine wichtige Voraussetzung um gleiche Chancen aller jungen Menschen herzustellen. Es ist doch ganz klar zu früh, nach der 4. Klasse zu entscheiden, wie die Eignung eines Menschen sich entwickeln wird! Unsere Position wird von einer Vielzahl entwicklungspsychologischer Studien unterstützt, unter anderem, wie Sie zu Recht sagen, aus Skandinavien, das ja international nicht die schlechteste Schulbildung aufweist, um es gelinde auszudrücken. Dem gegenüber steht das gegliederte Schulsystem, von Mohring gestützt und von der FDP verteidigt, das angeblich den Leistungsgedanken fördert, der im Berufsleben die dominierende Rolle spielt. Das halte ich für einen vollkommen falschen Ansatz. Hier stoßen schlicht unterschiedliche Auffassungen über den Zweck der Bildung an sich aufeinander. Die Schule soll doch die Voraussetzungen schaffen um sich im Leben zurechtzufinden, natürlich beim Wissen, aber auch bei den Techniken, sich dieses Wissen anzueignen, eine eigene Sozialkompetenz zu bilden – in allen diesen Bereichen ist, wie entwicklungspsychologisch ja längst bewiesen, am Ende der 4. Klasse längst nicht alles ausgereift. Die Unterstellung, wir würden die Gymnasien abschaffen wollen ist übrigens purer Unsinn. Im Gegenteil wollen wir die Möglichkeit, acht Jahre gemeinsam zu lernen eröffnen, den Gestaltungsfreiraum also erweitern. Zwar sind Gemeinschaftsschulen nach unserer Meinung das geeignete Instrument, aber auf jeden Fall wird es weiter machbar bleiben, diese Entscheidung auch nach der 4. Klasse zu treffen, wenn die Eltern darauf bestehen sollten. Das ist auch eine Frage von Bestandsschutz. Vielleicht sollten die „Eliteförderer“ auch bedenken wie die derzeitigen Übertrittsquoten ins Gymnasium sind: Bundesweit 43%, in Weimar gar 60% der Schülerinnen und Schüler, besuchen das Gymnasium. Dabei bleibt natürlich nicht mehr viel übrig von dessen elitärem Anspruch. Überhaupt: Bildung ist ein Prozess, der nie aufhört; Das dürfte sogar Herr Mohring verstehen.

WZ: Sind dies Ihre Schwerpunkte für die Landtagsarbeit?

Möller: Ich sehe mich hauptsächlich zuständig für Kultur, die Entwicklung eines  Kulturfördergesetzes, aber ja, auch für den Anspruch, überall ein längeres gemeinsames Lernen zu ermöglich, wo es denn gewollt wird.

WZ: Damit wären wir bei Ihrem Herzensanliegen, der Kultur, angekommen. Herr Möller, um vor Ort zu bleiben: Sie sind seit langem Vorsitzender des Kulturausschusses im Weimarer Stadtrat. Wären Sie nun von der CDU würde ich auf Sie einschlagen und schreien: „Warum gibt es einen Kulturentwicklungsplan für unsere Stadt nicht schon lange?“ So bitte ich aber als friedliebendes Parteimitglied: Erläutern Sie mir doch bitte die Gründe.

Möller: Jede Fraktion hätte es doch längst von sich aus machen können. Es hat viele Anläufe unsererseits gegeben, bis hin zu einem parteiübergreifenden Konsenspapier. Am Ende soll es dann aber keinem weh tun und das Vorhaben verschwand schnell wieder in der Schublade. Ich habe das Thema im Ausschuss immer wieder angesprochen. Der Oberbürgermeister ist nicht der glühendste Verfechter eines Kulturentwicklungsplanes, vielleicht nicht bewusst... Also hoffe ich, dass unsere Fraktion nun mit den übrigen Fraktionen dieses Thema in dieser Legislatur erfolgreich angehen können. In der Haushaltsdiskussion gab es zum Beispiel bisher nur schlechte Nachrichten auf der Einnahmenseite. Es sollen also die sogenannten „Freiwilligen Leistungen“ den Haushalt retten. Die Ausgabepositionen müssen aber verteidigt werden und das wird DIE LINKE tun. Ob Stadtbücherei, mon ami, die reichhaltige Sozio-Kultur, aber auch das Nationaltheater und die Klassikstiftung, alle brauchen unsere Solidarität und tätige politische Unterstützung. Bis 2016 müssen die Verhandlungen über die Finanzierung der Theaterstruktur in Thüringen abgeschlossen sein. Ich werde mich dafür auf der kommunalpolitischen Seite einsetzen, über den Aufsichtsrat des DNT und in anderen Gremien. Diese Aufgaben stehen vor uns und sind nicht klein. Das sind wir in unserer Stadt aber ja eigentlich gewohnt. Wir müssen es tun, weil die Sicherung von Kultur etwas zu tun hat mit unserem gesamten  Lebensumfeld – wer Kultur kürzt fördert Unkultur. Ein kulturvolles Umfeld ist immer Voraussetzung dafür, dass der Mensch sich in Würde verwirklichen kann und sich wohlfühlt.

WZ: Da sind wir aber sehr gespannt. Sie wollen nun das Direktmandat für DIE LINKE in Weimar im Thüringer Landtag verteidigen, bzw. zurückerobern – auf die Hintergründe kommen wir noch zu sprechen. Wie sieht es für den Kulturpolitiker Möller auf Landesebene aus?

Möller: Die ersten Kraftakte im Land hängen eng mit dem soeben Besprochenen zusammen, denn die finanzielle Ausstattung der Kommunen und die Verteilung der Belastungen zwischen Kommune, Land und Bund ist natürlich ausschlaggebend. Deshalb ist ein landesweites Kulturförderungsgesetz dringender denn je. Regionen, die zusammengedacht werden, müssen sich gegenseitig unterstützen. Nehmen wir doch konkret Weimar: Ein wahnsinnig vielfältiges Kulturangebot steht hier zur Verfügung - 10 Kilometer weiter liegen Landkreise, die dieses Angebot fleißig mitnutzen, aber jede Zuständigkeit oder Mitverantwortung ablehnen. Das muss sich ändern. Ein Neuzuschnitt zu bewirken wird schwierig – siehe Sachsen. Deshalb muss sich das Land Thüringen in erster Linie zu seiner Kultur bekennen, eine konstante Finanzierung gewährleisten, nicht nur punktuell Förderprogramme auflegen. Das Kulturförderungsgesetz für Thüringen muss erstellt werden – dafür wird DIE LINKE in Regierungsverantwortung sorgen.

WZ: Würden Sie darauf wetten, dass in vier Jahren das Land Thüringen ein Kulturförderungsgesetz besitzt?

Möller: Ja! Nicht nur wetten, davon bin ich zu 100 Prozent überzeugt!

WZ: Es gibt den Begriff der Bundesstadt – siehe Bonn, das diese Etikette als Medizin bekam, nach dem Beschluss, Berlin wieder zur Hauptstadt zu machen. Wäre es ein allzu kühner Gedanke, Aufgrund der Geschichte Weimars, diesen Status auch für unsere Stadt einzufordern?

Möller: Nein! Das ist eine ausgezeichnete Idee, aus vielerlei Gründen: Man müsste dafür zwar ein bisschen die Verfassung ändern (lacht), aber hier bewegt sich gerade so einiges. Beispiel Stiftung preußischer Kulturbesitz, der trotz föderativem Kooperationsverbot vom Bund kräftig unter die Arme gegriffen wird. Interessanterweise ist die BRD nicht der unmittelbare Rechtsnachfolger der Weimarer Republik – sondern der des Dritten Reichs! Überhaupt liegen Thema und Geschichte der Weimarer Republik in der Öffentlichkeit heute brach. Dies zu ändern ist eine bundesdeutsche Aufgabe. „Sie hatten zu wenig Geld um ihre Armeen zu stärken, steckten es stattdessen in die Kultur, wie Gotha, Weimar und andere Residenzen zeigen.“, so der Publizist Gustav Seibt. Weimar hat viele Gründe Bundesstadt werden zu können, ein wenig gegen die bisher praktizierte „Leuchtturm“-Politik.

WZ: Das leuchtet mir ein. (Möller lacht herzlich) Und wie sehen Sie die Chancen eines Wechsels, heute 14 Tage vor der Wahl?

Möller: Die Umfrageergebnisse für unsere Partei sind relativ stabil. Dass ich eine Rot-rot-grüne Option unterstütze wird nicht überraschen. Ich habe die Wahrnehmung, dass meine Partei und ich als Person gut angenommen werden, auch an den Infoständen und in der Stadt gibt es viel Zuspruch. Also bin ich optimistisch. Wir werden das Direktmandat verteidigen!

WZ: Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Bodo Ramelow beschreiben.

Möller: Ein sachliches, konstruktives Arbeitsverhältnis. Positiv.

WZ: Wie steht´s mit Oskar Lafontaine?

Möller: Lafontaine habe ich als einen Menschen mit rasantem Auffassungsvermögen und scharfem Denken kennengelernt. Er ist als Mensch und Politiker gleichermaßen unkonventionell, sowohl in seinen Überlegungen wie in seinen Vorschlägen, eben ein typisches Alpha-Tier. Mit allen Konsequenzen. Als Feind möchte man ihn nicht gerne haben.

WZ: Herr Möller, wenn wir zurückkommen auf die frühe Nachwendezeit und die Neuaufstellung der PDS: Welche Gefühle sind Ihnen zuvorderst in Erinnerung geblieben? Überraschung? Entsetzen?

Möller: Entsetzen, nun ja. Vielleicht über die Leichtgläubigkeit an die „blühenden Landschaften“ und dann das simple Überstülpen eines anderen wirtschaftlich-politischen Systems. Vor Augen hatten die Menschen ja schon länger die schöne bunte Welt des West-Fernsehens gehabt, hinter die Fassade wurde aber nicht geschaut. Uns waren die Illusionen der Medien nicht nachprüfbar und mit der Wende wurden Fakten geschaffen. Wir sind, bildlich gesprochen, euphorisch auf die Banane zugestürzt. Ich bin zwar mit den jetzigen Möglichkeiten zufrieden, es gibt aber genug zu tun für eine linke Partei in diesem Land.

WZ: Gab es auch Tage der Verzweiflung?

Möller: Ja. Oft. Tage wo man gar nicht wissen konnte, ob es überhaupt eine Möglichkeit gibt für eine linke Partei in Deutschland zu arbeiten. Der ganze Treuhand-Vorgang, die Zwangsverwaltung einer Partei, die ständigen Begegnungen mit desillusionierten Menschen oder zerstörten Existenzen ohne Kraft oder Möglichkeit, etwas für sich und ihre Familie zu tun. Da nicht helfen zu können war schon nicht einfach. Aber der Glaube an die Grundpositionen blieb mir erhalten, die Hoffnung auf die Realisierung einer sozialen, linken Partei, was die SED nicht war.

WZ: Sie kamen 1989 in die neu gewählte Kreisleitung (später Vorstand) der PDS und waren dann im Vorstand stellvertretender Vorsitzender. Was hieß das damals, welche Aufgaben waren zu bewältigen?

Möller: In der Hauptsache den personellen Apparat abzuwickeln, Stufe für Stufe zu verkleinern. 1990 wurde ich in den Kreistag, 1994 in den Stadtrat von Weimar gewählt. Das war schon ein entscheidender Moment für mich. Kommunalpolitik ist sehr unmittelbar – mit den Menschen lernt man dort auch die Auswirkungen der Politik direkt kennen, das ist spannend und immer wieder neu. Es gibt keine Automatismen in diesem Politikbereich. Neue Ideen und Lösungsansätze zu entwickeln, Kultur-, Bildungs- und Jugendpolitik betreiben zu dürfen, das macht Spaß und scheint mir auch Voraussetzung zu sein für die Arbeit im Landtag.

WZ: Und weshalb?

Möller: Zunächst ist es nützlich, nein sogar ausschlaggebend zu wissen, welchen Einfluss Kommunen auf Landtagsentscheidungen haben können – und umgekehrt.

WZ: Machen wir wieder einen Sprung auf der historischen Hüpfburg. Die PDS etablierte sich im Osten. Der Westen blieb Ödnis. Dann schenkte Ihnen der Konflikt in der SPD die WASG und mit ihr eben Oskar Lafontaine. Wären wir uns einig, wenn ich das segensreich nenne?

Möller: Ja, diese Auffassung teile ich. Der bundesweite Erfolg wurde erst möglich mit der WASG. Es gab dann letztlich durch die Fusion auch einen Lernprozess hier in den neuen Bundesländern. Die ersten Kontakte mit den K-Gruppen, die frühe, unmittelbare Berührung, waren nicht positiv. Mit der WASG, die den Betrieb kannte, trafen wir auf eine gute, sachliche Basis – das von Gregor Gysi, Lothar Bisky und Oskar Lafontaine vorbereitete Bündnis war eine gute und wichtige Entscheidung und hat der LINKEN in der gesamten Bundesrepublik ausschließlich Vorteile gebracht.

WZ: Schon 2012 sind Sie als Nachrücker für einen anderen Wahlkreis in den Landtag gezogen und waren zuletzt schulpolitischer Sprecher der Fraktion im Landtag. Gleichzeitig blieben Sie Fraktionsvorsitzender im Weimarer Stadtrat. Die letzten Jahre waren in Ihrem Kreisverband zum Teil turbulent. Was fällt Ihnen ein zum Stichwort Enttäuschungen?

Möller: Nun, die gab es – durch menschliche Berührung. Bezogen auf Personen. Es gab Ereignisse innerhalb des Kreisverbandes, dann sogar die Spaltung der Fraktion, die durch Menschen verursacht wurden, mit denen ich mir eine lange Gemeinsamkeit hätte vorstellen können. Sicher hatte ich auch meinen Anteil daran. Der Versuch einer Mediation scheiterte durch den Beitritt von Thomas Hartung und Pierre Deason zur SPD. Man sagt, die Beulen am Helm eines Parteisoldaten kämen meistens nicht vom politischen Gegner, sondern von den eigenen Leuten. Hier traf das wirklich zu.

WZ: Haben Sie diese Vorgänge als ein Stück Verrat empfunden?

Möller: (Lange Pause) In wie weit Hartung und Deason Verrat an ihren eigenen Idealen begangen haben, müssen sie mit sich selber ausmachen. Zunächst war es eine sehr herbe persönliche Enttäuschung. Sie haben dem Kreisverband und der Partei in Weimar massiv geschadet. Umso mehr freue ich mich, dass wir im Mai wieder mit 8 Mandaten in den Stadtrat einzogen, trotz dieser Spaltung. Der Wähler hat sich eben wieder den Sachthemen zugewandt.

WZ: Die Zustimmung zu Ihrer Person bei den Kommunalwahlen hat alle anderen in den Schatten gestellt: 5.262 Stimmen für Dirk Möller gegen 815 Stimmen für Herrn Hartung - das sollte Sie doch optimistisch stimmen?

Möller: Ja! Und wie.

WZ: Erklären Sie Ihren Erfolg in drei Stichworten.

Möller: Nun, ich bin sehr lange vor Ort präsent, werde hoffe ich auch als Person angenommen, bin durch den Kulturausschuss bekannt und werde dadurch mit dem DNT, mon ami, VHS und der Soziokultur assoziiert. Der Erfolg ist kein Automatismus! Tätig sein, dabei Kraft und Energie investieren, das sind auch Voraussetzungen. Ich habe mich bemüht, diese zu erfüllen; Das spiegelt sich in dem Resultat.

WZ: Sie haben es sich erarbeitet?

Möller: Durchaus. Mit dem Engagement meiner Person.

WZ: Wenn Sie nun erfolgreich in den Landtag ziehen, bleiben Sie Weimar als Fraktionsvorsitzender erhalten?

Möller: Ja, ich habe darauf hingewiesen, wie wichtig die kommunalpolitische Praxis für eine gute Landtagsarbeit ist, deshalb halte ich an dieser wichtigen politischen Arbeit vor Ort fest.

WZ: Zum Abschluss dieses frühmorgendlichen Gesprächs gestatten Sie mir einige Fragen aus dem Fragebogen zu stellen, der Marcel Proust in seinem Leben zweimal akribisch ausfüllte?

Möller: Sicher, schießen Sie los.

WZ: Welche sind Ihre größten kommunalpolitischen Erfolge?

Möller: Der Erhalt der Selbstständigkeit des DNT und die Sicherung der Mittel um die Breiten- und Soziokultur weiterhin unterstützen zu können.

WZ: Was wünschen Sie sich im Moment am Meisten?

Möller: Etwas mehr Gelassenheit der Menschen um mich herum beim Thema Wahlkampf. (Lacht herzlich)

WZ: Ihr Lieblingsbuch?

Möller: „Der Zauberer der Smaragdenstadt“ und die Folgebücher, Herr der Ringe usw.

WZ: Wovor haben Sie Angst?

Möller: Dass die Kraft und die Gelassenheit für die vielen Aufgaben, die ich habe, auch einmal zu Ende gehen.

WZ: Was hassen Sie am meisten?

Möller: Unehrlichkeit, fehlende Kraft einen anderen gegenüber die ehrliche Meinung zu äußern, Face-to-Face zu sagen: „Da hast Du Mist gemacht.“ Das findet immer weniger statt. Man weicht lieber auf andere Medien aus, was ich bedauere.

WZ: Ihre Vorstellung vom Glück?

Möller: Sich freuen zu können über einen Erfolg. Eine Familie im Rücken zu haben die einen unterstützt, obwohl ich sie zugegebener Maße zur Zeit etwas vernachlässige, Menschen um sich zu haben, die so ticken wie ich, mit denen man sich austauschen  und auch gelegentlich zurechtgewiesen werden kann.

WZ: Wie möchten Sie sterben?

Möller: Darüber habe ich mich noch gar keine Gedanken gemacht. Leiden möchte ich aber nicht.

WZ: Welches ist Ihr größtes Laster?

Möller: Nicht „Nein“ sagen zu können.

WZ: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, wer oder was würden Sie einen Tag lang gerne sein?

Möller: Ein rundum glücklicher Mensch.

 

Mit Dirk Möller sprach im Auftrag der Wahlzentrale 14 der LINKE Weimar/Apolda Bjørn Waag.

 

 

© Bjørn Waag

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