Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen

Martin

Gerade ist die erste deutsche Ausgabe des Magazin Jacobin heraus gekommen

»Die unerwartete Rückkehr des demokratischen Sozialismus – dafür steht das Jacobin Magazine. Nach 40 Jahren härtestem Neoliberalismus findet auf seinen Seiten ausgerechnet in den USA eine selbstbewusste und mutige Bewegung ihren Ton: »Für einen Sozialismus, den wir noch erleben.« Zuerst Phänomen einer kleinen Szene, ist die Zeitschrift spätestens mit dem Antritt Bernie Sanders’ und den Wahlsiegen junger Sozialistinnen wie Alexandria Ocasio-Cortez das Medium einer Bewegung geworden, deren Zeit gekommen ist. »Class struggle social democracy« lautet ihr gemeinsamer Nenner. Ein unerschrockener Angriff auf die Macht der Reichen, der Banken und der Klasse der Eigentümerinnen und Eigentümer, von denen eine Handvoll die Hälfte der Welt unter sich aufteilt. Ein Angriff nicht mit Gewehren, sondern durch die massive Organisierung normaler Menschen, die von Haus zu Haus gehen und ins Gespräch kommen, lernen, ihre Macht zu nutzen, abgelebte Parteibürokratien zurückerobern, sich an ihren Arbeitsplätzen zusammentun und streiken. In Jacobin drückt sich ein politischer Ansatz aus, der überlebt, auch wenn die derzeitigen Programme, ihre Anführerinnen und Anführer besiegt werden.

Es ist der Ansatz einer pragmatischen, radikalen Politik für die Masse der Menschen, die ihre Gegner offensiv benennt, schamlos Partei ergreift und politische Macht für die einfachen Leute in Anspruch nimmt.

Damit es aufwärts geht, braucht es Diskussionen über konkrete Politikvorschläge und das Wissen, wie gesellschaftliche Gleichheit und eine ökologisch nachhaltige Lebensweise zu organisieren sind. Dazu sind alle auf der Linken mit Sinn für die Dringlichkeit der Lage eingeladen, ohne Phrasen und internes Hickhack. Jacobin verbindet konkretes, radikales Denken mit einer zugänglichen Sprache. Wir starten in Ausgabe 1 mit einer Obduktion der Sozialdemokratie – jener Kraft, die Jahrzehntelang in vielen Teilen der Erde für das Versprechen von Gerechtigkeit und sozialem Aufstieg stand. Doch statt in eine neue Zeit zu führen, schafften ihre Parteiführungen die Sozialdemokratie ab. Gerhard Schröder, ihr letzter in Deutschland gewählter Kanzler, verkündete 2005 auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos stolz: »Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, den es in Europa gibt.« Von diesem Seitenwechsel hat sie sich nicht erholt – und eine Lücke im politischen System gerissen.

»Sozialdemokratie als Klassenkampf« klingt im Deutschen deshalb ziemlich schräg. Das zeigt den Spagat, in den wir uns begeben, wenn wir das Projekt Jacobin nun auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz beginnen. Angefixt von den rapiden Lernprozessen und stellenweisen Durchbrüchen der internationalen Bewegungen, richten wir unseren Blick auch auf die Schlappheit und die düsteren Tendenzen in unseren Breiten – ganz wie unsere Schwesterzeitschriften Jacobin Brasil und Jacobin Italia. Auch das deutschsprachige Magazin ist keine bloße Kopie, sondern Übersetzung im doppelten Sinn: eigenständige Aneignung des Jacobin-Stils für unsere eigenen Beiträge, plus sprachliche Übertragung von bestehendem, großartigen Material aus der US-amerikanischen Ausgabe. Als gedrucktes Magazin, mit unverwechselbarer Gestaltung, geliefert zu Dir nach Hause.«

(https://jacobin.de/manifest)