Meine Gedanken zum 15. Januar 2012

Marco
KV-AWEWeimar

Der 15. Januar 2012 ist der Jahrestag der Ermordung der Arbeiterführer Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Wenn ich an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht denke, denke ich an zwei, die das große Ziel, den Großen Traum von einer befreiten Gesellschaft nicht aus den Augen verloren haben. Ich denke an zwei, die ihrem Herzen gefolgt sind, wie zum Beispiel als das Parlament über die Erhöhung der Kriegskredite abstimmte und sie auch gegen den Kurs der damaligen SPD für Frieden und gegen einen menschenverachtenden Krieg stimmten. Ich denke an das verschwendete Potential. Wenn ich daran denke, dass die beiden vieleicht noch mehr Beiträge zur linken Bewegung hätten beisteuern können. Vieleicht hätten sie es geschafft, die Arbeiterbewegung zusammenzuflicken, und es wäre geglückt, dem Faschismus geeint entgegen zu treten. Rosa Luxemburg, die brilliante Theoretikerin, deren Thesen wie das berühmte "Freiheit ist immer auch die Freiheit der Andersdenkenden" mahnende Worte seien sollten. Auch für unsere heutige Bewegung, die sich auch mit den Fehlern der Vergangenheit auseinander setzen muss.

Wenn ich an Luxemburg und Liebknecht denke, bin ich erschüttert über den Verrat der "Genossen" Ebert und Noske, den selbsternannten Bluthund. Sie wollten die beiden kritischen Geister aus dem Weg räumen, weil ihr Festhalten am kommunistischen Gedanken für die neuen Machthaber eine zu große Gefahr geworden war. Ich denke an Rosa Luxemburgs Vertauen in die Kraft der Volksmassen. Wenn wir uns in ihre Tradition stellen wollen, müssen wir uns mehr auf die Menschen auf der Straße konzentrieren. Ich frage mich am 15. Januar auch, was wohl Luxemburg und Liebknecht so zu unseren Aktionen in Weimar sagen würden. Würde Rosa Luxemburg mit dem Gerberbus zu den antifaschistischen Demonstrationen fahren? Wären sie auch da, wenn sich die Occupy Bewegung ihren Platz in der Demokratie erkämpft? Würde es ihr gefallen, wie die zwei linken Bewegungen in Weimar miteinander umgehen?

Es ist natürlich müßig darüber zu spekulieren was die beiden zu unseren heutigen Problemen sagen würden. Sie sind auch sowieso nicht mit den damaligen Gefahren vergleichbar. Wir können uns glücklich schätzen, dass uns für unsere Meinung heute kein Gefängniss oder der Tod erwartet. Eines steht für mich fest: Sie würden uns unterstützen in der Ablehnung der Kriegseinsätze in Afghanistan und dem Irak. Auch die Militärintervention in Lybien hätte niemals ihre Zustimmung gefunden. Der Kampf der beiden ist immer noch aktuell. Es herrscht immer noch Kapitalismus und weltweit werden Arbeiter ausgebeutet und für anderer Menschen Profit zu Grunde gerichtet. Auch die schreckliche Mordserie des Jenenser Nazitrios, das nahezu unbehelligt über 12 Jahre morden konnte, zeigt, dass der Faschismus immer noch ein schreckliches Potential hat. Ich nehme mir ein Beispiel an den Beiden und nehme mir vor, auf der Straße aktiv für meine linke Einstellung einzustehen. Ihre Unterstützung von Massenbewegungen macht Liebknecht und Luxemburg zu Mahnern, die gerade die Linkspartei dazu zwingt, sich an ihr Postulat vom demokratischen Sozialismus zu halten. Man kann sich in die Tradition der Arbeiterbewegung von 1919 stellen und stolz sein auf die Stärke der damaligen Bewegung. Aber wir müssen auch aufpassen, dass nicht wieder eine Tiefe Spaltung durch die linken Kräfte geht, die der Reaktion den Weg erleichtert. Wir müssen dem Nationalismus entgegentreten, der die Menschen entzweit und sie von ihrem wahren Feind ablenkt, und wir sollten das große Ziel von der befreiten Gesellschaft nicht vergessen, für das Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gekämpft haben. Wenn wir uns mit kleinen Erfolgen zufrieden geben und nicht bereit sind, immer weiter die Sache der Arbeiterbewegung zu vertreten, können wir Rosa Luxemburgs letzten revolutionärten Brief nie gerecht werden in dem sie schreibt: "Ordnung herrscht nun in Berlin ihr stumpfen Schergen. Eure Ordnung ist auf Sand gebaut. Die Revolution wird sich schon morgen wieder rasselnd in die Höhe richten und zu eurem Schrecken verkünden: Ich war! Ich bin! Ich werde sein!" Die Überwindung des Kapitalismus und der Aufbau eines demokratischen Sozialismus ist unser Ziel.

Wenn Ihr diese Gedanken teilt, oder noch einige hinzufügen möchtet, dann lade ich Euch ein, an der Ehrung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht am Sonntag, 15. Januar 2012, um 11 Uhr an der Rosa-Luxemburg-Stele in Weimar-Schöndorf (Siedlung) teilzunehmen.