Alte Rebsorten auch in Bad Sulza brauchen Bestandsschutz
Alte Rebsorten benötigen einen kulturhistorisch begründeten Sonderstatus, der deren Anbau erleichtert. Etwa 300 historische Sorten sind in Deutschland auf den Weingütern noch vorhanden. Es sind traditionelle Qualitäts- und Nischensorten, von denen viele kommerziell keine größere Rolle spielen.
Die Fraktion DIE LINKE im Deutschen Bundestag hat jüngst einen Antrag „Zur Rettung einheimischer Rebsorten durch Erhaltungsanbau“ eingebracht, denn anders als bei alten Obst- und Getreidesorten, gibt es bei Rebsorten noch keine gesetzliche Regelungen zum Ausgleich des Mehraufwands bei deren Anbau. Meine Fraktion und ich fordern darin die Festlegung eines Grenzwerts für die Klassifizierung als Erhaltungssorten unterhalb von 5 Hektar Anbaufläche sowie eine kostenfreie Registrierung als Erhaltungszüchter/in.
Diese Forderung gilt nicht nur für die großen Weinanbaugebiete im Süden und Westen Deutschlands, sondern auch für die kleinen im mitteldeutschen Raum. Der Weinanbau z.B. in Bad Sulza, das zu meinem Wahlkreis gehört, ist seit 1195 nachgewiesen, aber wahrscheinlich noch viel älter. Beim Erhalt auch der hiesigen Rebsorten geht es daher nicht nur um ein Kulturgut – der spezifischen Rebsorten des insgesamt nur 660 Hektar großen weltweit nördlichsten Anbaugebietes Saale-Unstrut. Es geht auch um die künftige Existenzgrundlage der Winzer.
Ein Weingut wie das Bad Sulzaer mit nur 32 Hektar Weinbaufläche kann im Wettbewerb mit multinationalen Konzernen und deren Allerweltssorten nicht mithalten. Aber seine Weine sind einzigartig durch ihre Prägung durch das Klima, den gebietstypischen Muschelkalkboden und vor allem durch die hier betriebene schonende Anbauweise.

