Bach und Dadalog
Am Karfreitagabend feierte im Weimarer Kabarett "SinnFlut" das neue musikalisch-literarische Programm "Bach und Dadalog" seine Premiere.
Hierbei handelt es sich um einen fiktivem Briefwechsel mit dem Titel "Zwischen Gedächtnislücken ist noch viel Platz!" zwischen zwei Literaten im besten Mannesalter. Darsteller, Rezitatoren waren der Autor und Berufskabarettist Michael Kirmes Seitz und ihm ebenbürtig unser Genosse Stanislav Sedlacik als Amateur. Stanislav gab hier sein Debüt auf den Brettern, die die Welt bedeuten, und überzeugte mit seinem Auftritt. Sein heimischer, slowakischer Akzent gab dem Briefwechsel unbeabsicht sogar eine europäische Dimension. Begleitet wurden die beiden auf dem Klavier vom angehenden Jazzpianisten Dias Karimow. Dieser hatte zu den einzelnen Briefwechseln, ausgehend von Bach, passende Musikstücke ausgewählt.
Kirchenfürsten forderten auch in diesem Jahr für den Karfreitag Verbote von Kultur- und Tanzveranstaltungen und meinten, nur so könnten Menschen zu Einkehr un Besinnung finden. Thüringen blieb aber säkular und so konnten die Kabarettisten mit ihrem Programm zeigen, wie Einkehr und Besinnung auch aussehen kann. In ihren Briefen sprachen die fiktiven Schreiber viele Themen an: die zwischenmenschliche Kommunikation im Zeitalter von iPhone und SMS, die zunehmende Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich, Chagalls Kunst, die "Wende"-Zeit 1989/90, aber auch Erlebnisse bei Zahnarztbesuchen oder existenzielle Fragen zwischen Honorar und Finanzamt.
Im Manuskript befanden sich auch Aussagen zum "Blechtrommler" Günter Grass. Aus aktuellem Anlaß fügte hier Michael Kirmes-Seitz das vom Mainstream gescholtene Gedicht "Was gesagt werden muß" ein. Die fiktiven Literaten-Briefeschreiber konstatierten, daß Grass eigentlich erst mit diesem Antikriegsgedicht den Nobelpreis habe.
